Eine durchschnittliche Strasse im Westen des Landes. Eine Ansammlung von Gräben, Löchern, Rillen und tiefem Sand.
Einer der vielen Stuerze. Alain liegt mittlerweile mit 11:2 in Fuehrung. Entweder ist der lehmige Boden schuld, der das Profil binnen Sekunden zusetzt oder etwa 30 cm hoher Schotter, der das Motorrad bedrohlich ins Schleudern bringt.
Die Ankunft in einer Stadt oder Ortschaft löst immer einen mittleren Volksauflauf aus. Laenger als 10 Minuten bleiben wir jedoch nie stehen, da sonst überall flinke Finger rumfummeln, die den Helm aufsetzen wollen, das GPS bedienen oder einfach mal die Hupe drücken.
Zeltplatz irgendwo in der Steppe
Auf halber Strecke zum See geschieht etwas seltsames, was mir aber zugleich vor Augen führt, wie großartig und selbstlos die Menschen des Landes doch sind. Während wir am Straßenrand stehen und eine kleine Pause machen, hält ein Lkw neben uns. Der Fahrer, ein kleiner gedrungener Kerl mit lockigem Haar klettert aus seiner Fahrerkabine und kommt freundlich lächelnd auf uns zu. Was folgt, kann ich nur als kürzeste Konversation der gesamten Tour beschreiben. In einer Mischung aus Englisch, Deutsch und Russisch, in erster Linie aber mit Händen und Füßen, spielt sich die wortkarge Unterhaltung etwa wie folgt ab:
Er: >>Hallo!<<
Ich: >>Hi!<<
Er: >>Wo übernachtet ihr eigentlich?<<
Ich: >>Im Zelt. Wieso?<<
Er: >>So kann man nicht gut schlafen.<<
Ich: >>Hmm?<<
Er macht auf den Hacken kehrt und schlurft zurück zu seinem Lkw. Dabei legt die heruntergerutschte Ballonseidenhose sein haariges Maurerdekollete frei. Zielstrebig steuert er die Staufächer des 20-Tonners an, nimmt etwas heraus und kommt zurück.
Er: >>Hier, trinkt das! Dann könnt ihr gut schlafen<<
Wie selbstverständlich stellt er zwei volle Wodkaflaschen auf den Seitenkoffer meiner Karre. Dann schüttelt er meine Hand, wünscht uns alles Gute für die Weiterfahrt und schlurft zurück zu seinem Truck. Sprachlos blicke ich ihm hinterher, wie er hupend in der Ferne verschwindet.
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