Die erste Panne in Odessa liegt hinter uns. In der Zwischenzeit ist soviel passiert, dass ich fürchte, nicht genug Zeit zu haben, das Erlebte hier zu dokumentieren.

Nachdem das defekte Hinterrad von Alain von einem örtlichen Rockerclub in Odessa repariert worden ist, und die defekten Speichen kurzerhand durch uralte Speichen einer Harley-Davidson, die auf Länge gesägt und mit neuem Gewinde versehen, ersetzt wurden, ging die Reise weiter.


Unser nächstes Ziel - die Krim. Dort wollten wir uns für ein paar Tage am Strand von den Strapazen erholen. Kaum waren wir 100 Kilometer unterwegs, wieder das gleiche, verdammte Problem. Wieder war eine der alten Speichen gerissen. Vermutlich, weil die Lastverteilung durch die neu eingesetzten, dickeren Speichen, zu heftig war. Wieder Zwangspause und wieder endlose Telefonate mit Deutschland führen. Um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir mit tatkräftiger Hilfe seitens des ADAC eine neue Felge samt Speichen über Nacht nach Kiew fliegen lassen.
So trennte sich unser Weg für einen Tag, da Alain mit dem Flieger, von Simferopol auf der Krim, in die Hauptstadt fliegen musste, um dort nach einem schweißtreibenden Behördenmarathon und exorbitanten Zollgebühren das neue Teil in Empfang zu nehmen.

Es sollte allerdings noch viel schlimmer kommen!
Wir hatten uns geeinigt, die Ukraine hinter uns zu lassen, um innerhalb von 2-3 Tagen von der Krim nach Wolgograd, besser bekannt unter dem alten Namen Stalingrad, zu reisen.

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Die erste Etappe von ca. 540 Kilometern verlief soweit auch ohne Zwischenfälle und es war eine wahre Freude, den arbeitenden Motor der Ténéré unter sich zu spüren und dabei über den löchrigen Asphalt zu fliegen.
Kurz vor Sonnenuntergang entschlossen wir uns dann, von der Straße abzubiegen, und uns auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz zu machen. Wir wurden schnell fündig. Neben einem riesigen Sonnenblumenfeld, auf einer leichten Anhöhe und keine 30 Meter vom Meer entfernt, bauten wir unsere Zelte auf. Während wir dabei waren, uns um unsere Moppeds zu kümmern, fuhr plötzlich ein alter Lada neben unseren Platz und drei wirklich ganz finstere Gestalten mit Knast-Tattoos und ohne Zähne stiegen aus. Der Versuch, vorsichtshalber Kontakt mit ihnen aufzunehmen, blieb bei einem "Germania", "dobre dien" und anderen Begriffen aus unserem unermesslichen russischen Wortschatz. Ich habe schon versucht mir auszumalen, wie unsere Chancen im Faustkampf stünden - Wir hätten den Kürzeren gezogen, soviel steht fest.
Mir gefror das Blut in den Adern und mein ganzer Körper verkrampfte sich bitterlich, als die drei Typen zu ihrem Auto gingen und sich plötzlich, wie auf Kommando bis auf die Socken auszogen. Ein breites Lächeln auf den Lippen.

Die Sekunden, bis sich die Situation aufklärte und die Jungs ihre Hochseeangelausrüstung aus dem Kofferraum kramten, kamen mir wie Stunden vor, in denen ich mir ausmalte, wie hässlich das nun Kommende werden würde.

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Der Grund, warum wir jetzt wieder in der Ukraine festhängen, hatte seinen Ursprung in der Nacht. Schon beim Aufbau unserer Zelte wurde der Gedanke ausgesprochen, dass wir wohl den ersten Regen unserer Tour bekommen würden. Es wurde nicht nur Regen, sondern der Himmel öffnete in apokalyptischem Ausmaß seine Schleusen. Ein Orkan tobte, bei dem fast unsere Zelte ins Meer geweht worden wären. Links und rechts von uns schlugen lautstark die Blitze ein.

In dieser Nacht wäre ich wirklich um ein Haar zum gläubigen Christen geworden.

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Als wir am nächsten Tag gerädert aufwachten, war uns sofort klar, dass es der knappe Kilometer zurück auf die geteerte Straße in sich haben würde.
Der Feldweg war komplett verschwunden und an seine Stelle war eine morastige, tiefe Schlammpiste getreten, in der, bei dem Versuch anzuschieben, sogar die Stiefel stecken blieben.

Genau da ist es mir dann auch leider passiert. Bei dem Versuch wieder auf die Straße zu gelangen, ist mir auf den wirklich letzten Metern die Kupplung verreckt. Diagnose: Komplett im Arsch!
Stunden später, als wir dann alles auf die Straße gezerrt und geschoben hatten, wurde meine Vermutung zur traurigen Gewissheit: Die Kupplung war so sehr verbrannt, dass ich die Karre selbst bei eingelegtem ersten Gang ohne Probleme schieben konnte.

Den Gedanken daran, die Tour zu beenden, der einem in solchen Momenten sehr schnell kommt, habe ich wieder über Bord geworfen. Tiefschläge in die Nierengegend sind Bestandteil einer solchen Reise. Ohne sie wäre es vielleicht sogar langweilig.
Wir haben das Motorrad schließlich mit einem Seil zurück in die nächstgelegene Stadt (Mariupol, die den Namen Stadt nicht verdient) gezogen. Dort haben wir, obwohl Sonntag war, ein paar unglaublich sympathische Leute gefunden, die zwar sonst Yamaha Jetskies reparieren, sich aber nun des Problems annehmen wollen. In ihrer Werkstatt warten unsere Motorräder nun bis morgen, wo wir dann versuchen werden, mit geballter Hilfe aus Deutschland und der Ukraine neue Kupplungsbeläge in diese Einöde schicken zu lassen.


Einen Tag später:
Der Rat einer meiner besten Freunde, mir erst mal ordentlich einen zu saufen, hat Wunder gewirkt. Alle negativen Schwingungen sind aufs Erste verschwunden :-)

Schaui, Dir noch mal ganz besonderer Dank für Deine Mühen, die ich hier unten mehr als zu schätzen weiß...

Drückt uns die Daumen, dass es weiter geht!!!

Erik

Ach ja, Fotos auf das richtige Maß zu verkleinern wird hinterher gemacht, da mich die kyrillische Menüführung der Computer wahnsinnig macht...
Außerdem kann ich derzeit nur die Bilder der Kleinbildkamera laden - sorry. Die anderen Dateien sind einfach zu groß.